Leidvolle Feinkost

Der französische Käse Roquefort ist weltberühmt – doch hinter dem glamourösen Image steckt unsägliches Tierleid.

Die Schattenseite des guten Geschmacks

Französischer Käse ist auf der ganzen Welt bekannt. Dazu gehört auch der berühmte Blauschimmelkäse Roquefort aus roher Schafsmilch. Benannt ist er nach dem Dörfchen Roquefort-sur-Soulzon im Süden des Landes – nur in dieser Region darf echter Roquefort, dessen Bezeichnung geschützt ist, hergestellt werden. Was auf den ersten Blick so idyllisch und ursprünglich klingt, verbirgt jedoch viel Leid.

Die französische Tierschutzorganisation L214 gehört wie der Deutsche Tierschutzbund der Eurogroup for Animals an – einer internationalen Tierschutzorganisation, die sich den Tieren in der gesamten Europäischen Union verpflichtet hat. L214 hat aufgedeckt, was die Schafe durchleben müssen, damit Feinschmecker*innen ihren französischen Käse bekommen.

 

Die überzähligen Lämmer

Um den riesigen Bedarf an Schafsmilch für die Käseherstellung zu decken, müssen die weiblichen Schafe jedes Jahr Lämmchen zur Welt bringen – denn nur auf diese Weise geben sie Milch. Mithilfe der üblicherweise durchgeführten künstlichen Befruchtung erblicken so jährlich mehr als eine Millionen Lämmer das Licht der Welt. Auf dieser dürfen die meisten von ihnen jedoch nicht lange verweilen: Nur etwa ein Viertel der weiblichen Lämmchen verbleibt in der Herde, um später selbst Milch zu geben. Die restlichen Tiere werden entweder als sogenannte Milchlämmer geschlachtet oder kommen erst einmal in intensive Mastbetriebe, wo sie vor ihrem Tod noch ein bestimmtes Schlachtgewicht erreichen sollen.

Zwar darf der Käse selbst nur unter ganz bestimmten Vorgaben hergestellt werden, um sich Roquefort nennen zu dürfen – Vorschriften zu Haltung der Lämmer, die im Rahmen dieser Käseproduktion geboren werden, fehlen aber. Und so sind die Haltungsbedingungen in den Mastbetrieben meist alles andere als tiergerecht: L214 berichtet, dass die Lämmer eng zusammengepfercht ohne Zugang nach draußen leben – zwischen ihnen teils sterbenskranke Artgenossen, die unbemerkt einen langwierigen Tod durchleiden. Der Tod in den Schlachthöfen ist oft ebenfalls alles andere als schnell und schmerzfrei. Vielen Schafen und Lämmern steht die Schächtung bevor, sodass sie unbetäubt ausbluten müssen. Und selbst die Artgenossen, die eigentlich betäubt sein sollten, sind beim Ausbluten an den Schlachthaken oft noch bei Bewusstsein, weil ihre Betäubung falsch durchgeführt wurde. Ein Bericht der zuständigen Veterinärbehörde über einen der größten Schlachtbetriebe stützt die Kritik der Tierschutzorganisation: In diesem war bereits im Jahr 2016 von erheblichen Mängeln bei der Betäubung und Schlachtung von Schafen die Rede.

 

Tierleidfreie Alternativen

Die Haltung der Milchschafe ist somit unumstößlich mit der meist qualvollen Mast und Schlachtung von 500.000 bis 800.000 überzähligen Jungtieren im Jahr verknüpft. Keine noch so prestigeträchtige Feinkost sollte dieses Ausmaß an Tierleid wert sein.

Stattdessen gibt es mittlerweile zahlreiche tierleidfreie Alternativen: In gut sortierten Supermärkten, Reformhäusern und in Online-Shops findest Du nicht nur pflanzliche Frischkäse- oder Käseaufschnitt-Alternativen. Auch die Auswahl an Weich- und Schimmel-„Käse“ auf Basis von Cashews oder Mandeln wächst beständig. Probiere Dich doch einmal durch diese Produktpalette – vielleicht findest Du dort Deine neue Lieblingsalternative. Weil jede Mahlzeit zählt.

 

Quellen und weiterführende Infos:

„The truth behind the Roquefort sector“, Eurogroup for Animals (Juni 2020)

„Enquête roquefort : des centaines de milliers d’agneaux à l’abattoir“, L214 (Juni 2020)

 

von Stina Kaiser, Redakteurin mit Schwerpunkt Veganismus beim Deutschen Tierschutzbund