Ein Herz für Puten

Während manche Tierarten unser uneingeschränktes Mitgefühl erhalten, gehen andere leer aus. Puten gelten allgemein als hässliche Tiere, weshalb sich nur wenige Menschen mit ihnen auseinandersetzen. Wer sich die Zeit nimmt, die Vögel in dem schönen Federkleid kennenzulernen, macht Bekanntschaft mit liebevollen und faszinierenden Lebewesen.

Nicht schön genug für Respekt?

Die meisten Menschen schließen flauschige Hunde und Katzen meist sofort in ihre Herzen, während andere Tierarten völlig auf der Strecke bleiben, obwohl sie ebenso herzerwärmende Eigenschaften haben. Zu diesen gehören auch Puten, da sie für viele Menschen nicht den optischen Vorstellungen eines süßen Tieres entsprechen und leider nur als „hässliche Vögel“ gelten. Doch wer genauer hinsieht, merkt, dass sie umhüllt von ihrem schillernden Federkleid mit ihrer emotionalen Tiefe, ihrer Intelligenz und ihren Fähigkeiten beeindrucken. Es ist an der Zeit, sie besser kennenzulernen.

 

Das große Comeback

Bei Puten handelt es sich um die domestizierte Form des Truthuhns beziehungsweise des männlichen Truthahns. Die Wildpute stammt ursprünglich aus Nordamerika und bahnte sich nach ihrer Entdeckung im Jahre 1520 ihren Weg nach Europa. Vor 50 Jahren ist das Tier leider fast ausgestorben, legte laut Biolog*innen jedoch das bemerkenswerteste Comeback in der Geschichte des Artenschutzes hin. Heute leben wieder 3.5 Millionen wilde Truthähne in jedem Bundesstaat außer Alaska.

 

Die bunte Farbenpracht der Puten

Wer Puten für hässlich hält, hat ihr farbenfroh schimmerndes Federkleid sicherlich noch nicht in Augenschein genommen. Nicht alle unter ihnen sehen gleich aus, denn sie alle haben verschiedene Farbschläge, in die sie sich unterteilen lassen. Sie decken die gesamte Farbpalette ab, von bronzefarbigen, weißen und Schwarzflügel-Puten bis hin zu Bourbon- und Rotflügelputen. Manche Federn der andächtigen Tiere schillern auch in blauen, kupfernen und gelben Farben.

Ihr prächtiges Gefieder pflegen sie intensiv beim Staubbaden. Dafür scharren sie im Boden eine Mulde, in die sie sich hineinsetzen und mit ihrem Bad loslegen können. Kräftig schleudern sie mit Scharrbewegungen losen Sand oder Erde auf und werden so groben Schmutz los. Was bei uns die Funktion einer Bürste übernimmt, erledigen die reinlichen Tiere selbst: Sie knabbern zwischen den Federschäften und trennen einzelne Federn, indem sie diese durch den Schnabel ziehen.

 

Liebestänze der Männchen

Die Wichtigkeit ihrer hübschen Federn kommt vor allem bei der Partnersuche zum Ausdruck. Im März beginnt die Fortpflanzungszeit von Wildputen und somit das eindrucksvolle Schauspiel der Reviermännchen. Um paarungsbereite Hennen anzulocken, führen sie mithilfe kunstvoller Bewegungen einen Tanz auf, bei dem sie ihre Schwanzfedern fächerförmig aufstellen. Schließen sie sich mit mehreren jungen Männchen zusammen, synchronisieren sie diesen Tanz – stolz marschieren sie umher und vollbringen akrobatische Meisterleistungen: Sie schlagen Rad, rollen und schnauben lautstark. Doch trotz all der Bemühungen sind nicht alle Männchen erfolgreich: Während sie die Hennen umwerben, bewegen diese sich zwischen den Revieren, bis sie ihren bevorzugten Hahn auserwählen und sich mit ihm fortpflanzen.

Hat es nicht geklappt und die Paarung war erfolglos, schließen sich die Weibchen zu „Herden ohne Brut“ zusammen. Mit zwei bis fünf weiteren Hennen bilden die Hennen ohne Gelege sogenannte Nistgruppen und bebrüten dasselbe Nest, das in einer Mulde am Boden sitzt. Eine Putenhenne legt zwischen acht und 15 Eiern, die sie gemeinsam mit den anderen Hennen durchschnittlich 28 Tage bebrütet. Nachdem die Küken schlüpfen, bleibt das Muttertier gemeinsam mit ihrem Nachwuchs am Boden, bis die Jungen flügge sind und sich wie die erwachsenen Tiere in Ästen auf Bäumen in Sicherheit bringen können. Bis dahin beschützt die Pute aufopferungsvoll ihre Kleinen und bringt ihnen bei, wie sie Insekten – ihr Hauptnahrungsmittel – fangen können.

 

 

Die inneren Werte zählen  

Neben ihren prächtigen Federn, beeindrucken die anmutigen Tiere vor allem mit ihren Persönlichkeiten sowie ihren Fähigkeiten. Die emotionalen Vögel ragen mit ihrer Intelligenz, ihrem Mitgefühl sowie ihrer Gefühlstiefe wahrlich heraus. Diese befähigt sie dazu, langfristige Beziehungen zu Artgenossen und Menschen zu führen. Haben sie ein gutes Verhältnis zueinander aufgebaut, begrüßen sie sich und scheuen auch nicht davor zurück, einander zu verteidigen. Sie erleben die gesamte emotionale Bandbreite von Angst und Stress bis hin zu Freude und Aufregung. Verletzten oder sterbenden Artgenossen begegnen sie mit Mitleid und Sorge.

Ihr empfindsames Wesen macht Puten anfällig für Stress. Bei plötzlichem Wetterumschwung, tosendem Donner oder anderem Lärm sowie Lichtreflexen schrecken sie auf und flüchten reflexartig. Truthähne können im Gegensatz zu domestizierten Puten fliegen und erreichen dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 80 Kilometern pro Stunde. Dennoch fliehen sie lieber rennend als fliegend und erreichen auf diesem Wege bis zu 40 Kilometer pro Stunde.

 

 

Immer mit der Ruhe

Wer so viel Aufregung erlebt, muss natürlich Ruhe in den Tag bringen. Erholung ist für Wildputen äußerst wichtig – die tagaktiven Tiere schlafen nachts auf Bäumen. Dort sind sie vor ihren natürlichen Feinden geschützt, vor allem auf Ästen, die über Wasserflächen hinausragen. Täglich suchen sich die Vögel einen neuen Baum aus, der ihr Schlafgemach sein soll. Auch tagsüber darf eine ordentliche Portion Entspannung auf Bäumen oder im Unterholz nicht zu kurz kommen – am liebsten gemeinsam mit Artgenossen.

Darüber hinaus verbringen sie die meiste Zeit mit der Futtersuche. Dabei kommt es weder darauf an, wie das Essen aussieht oder es schmeckt, sondern wie es sich anfühlt. Dementsprechend ist der Tastsinn von Puten bei der Auswahl der Nahrung am wichtigsten. Bis zu 13 Kilometer entfernen sie sich dafür von ihrem Schlafplatz, scharren, picken, laufen und suchen, auch wenn sie gar nicht hungrig sind, denn der Nahrungssuche gehen die Tiere völlig unabhängig von ihrem Sättigungszustand nach.

Tierliebe fängt beim Essen an

Leider entspricht das Leben von Puten in der intensiven Landwirtschaft nicht den Bedürfnissen und natürlichen Verhaltensweisen der Tiere. Während sie in der Natur im Wald leben und viel Zeit mit ihren Artgenossen verbringen, müssen sie dort eng an eng gedrängt unter Bedingungen leiden, die nicht artgerecht sind. Wenn Du den spannenden und liebevollen Tieren Deinen Respekt und Dein Mitgefühl zeigen möchtest, dann findest Du auf unserer Rezeptseite, in „Tierschutz genießen – Die Vorratskammer“ und auf unserer Seite mit Ersatzprodukten zahlreiche Inspirationen und Tipps, wie Du pflanzliche Mahlzeiten kreieren kannst – ganz ohne Tierleid. Unter www.tierschutz-genießen.de kannst Du außerdem alle Informationen rund um „Tierschutz genießen“, das Kochbuch des Deutschen Tierschutzbundes, sowie sein süßes Pendant „Tierschutz genießen – Das Backbuch“ nachlesen.

Von Melanie Frommelius, Redakteurin beim Deutschen Tierschutzbund