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Eine Heuschrecke

Insektenproteine: Keine Erfolgsgeschichte?

Immer mehr Startups priesen in den letzten Jahren Insektenproteine als nachhaltige Alternative für Fleisch an. Nun hat die Branche finanzielle Probleme. Wir fassen die wichtigsten Fakten zusammen und beleuchten, was an den Nachhaltigkeitsversprechen dran ist.

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Eine Branche in der Krise

Kurz bevor der Markt für Insektenproteine richtig Fahrt aufnehmen konnte, stehen die zwei größten europäischen Startups der Branche kurz vor dem Aus. Der französische Marktführer meldet Insolvenz an und ein weiteres Unternehmen kämpft ebenfalls um sein Überleben – trotz Finanzspritze. Dabei waren die Versprechen groß: Insektenproteine sollten nachhaltiger als Fleisch und trotzdem reich an Proteinen sein. Denn der Ruf von Fleisch leidet seit Jahren: In Bezug auf Tier- sowie Klimaschutz schneidet das tierische Produkt schlecht ab. Insektenproteine sollten zumindest in Sachen Nachhaltigkeit eine ökologische Alternative darstellen, sowohl für den menschlichen Verzehr als auch in Form von Tierfutter.

Als Lebensmittel sind in der EU bereits vier Insektenarten zugelassen: Wanderheuschrecken, Hausgrillen, Mehl- und Getreideschimmelkäfer sowie deren Larven. Die EU-Kommission hatte bereits das Vorhaben, Standards für die ökologische Insektenproduktion in der EU zu entwickeln. Insektenzüchter*innen hofften deshalb auf eine Erweiterung der Produktpalette und somit auf leichten Profit. Einsatz würden die Insekten vor allem in der Aquakultur finden – das bisherige Futtermittel aus Fischöl und -mehl wird aufgrund der Überfischung der Weltmeere schließlich immer teurer. Währenddessen wächst allerdings die Nachfrage nach Fischen aus Aquakulturen enorm. Aufgrund der im Vergleich zu konventionell gehaltenen Insekten viel höheren Margen könnten Züchter*innen mit dem Verkauf von Insekten als Futtermittel enorme Gewinne erzielen – ohne die Haltung der Tiere nennenswert zu verbessern.

 

Faktencheck: Alles falsche Versprechen? 

Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht wird es eng für die Insektenbranche. Auch die Wissenschaft liefert neue Erkenntnisse, die für einige Unternehmen ungemütlich werden könnten. Eine neue Studie stellt infrage, ob Insekten tatsächlich eine nachhaltige Protein-Alternative darstellen. Das Fazit: Nicht in dem Maß, wie bisher angepriesen. Die bisherigen Nachhaltigkeitsversprechen beruhen oft auf veralteten Studien, die heute nicht mehr repräsentativ sind. Zudem verglichen Unternehmer*innen Insekten oft direkt mit Fleisch. Dabei konkurrieren Insektenprodukte vielmehr mit pflanzlichen Snacks wie Proteinriegeln oder Backwaren, wo sie hauptsächlich eingesetzt werden. Diese haben einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck als Fleisch und als Produkte aus Insekten. Zahlreiche Studien vernachlässigen zudem den Fakt, dass der Wasserverbrauch von Insektenfarmen teils hoch ist.

Den umweltfreundlichen Vorsatz, Insekten mit Lebensmittelabfällen zu füttern, erfüllt die Industrie ebenfalls kaum. Abfälle schwanken in der Qualität, sind nicht immer verfügbar und bergen hygienische Risiken. Daher kommen meist hochwertige Getreide-Nebenprodukte zum Einsatz, die bereits als Tierfutter dienen. Auch ökonomisch betrachtet überzeugen Insektenproteine laut der Studie nicht, da theoretische Kostenkalkulationen stets Futter-, Energie- sowie Investitions- und Wartungskosten unterschätzen. Alles in allem kein sonderlich positives Fazit. 

Ein tierethisches Fiasko 

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert die Insektenbranche von Beginn an. Tiere in Form von Tierfutter an die „Nutztiere” zu verfüttern, damit diese tierische Produkte für den menschlichen Verzehr liefern, ist aus tierethischer Perspektive ein Tabu. Denn zu den Tieren in der Landwirtschaft kommen damit weitere Tierarten hinzu, die für tierische Lebensmittel sterben und leiden müssen. Das gleicht der Produktion von Fischmehl, welches auch als Futtermittel Einsatz findet. Während niemand mehr anzweifelt, dass Rinder, Schweine und Co. empfindungsfähig sind, vergessen viele Menschen oft, dass auch Insekten Reize weiterleiten und verarbeiten können. Ob als Tierfutter oder verarbeitet in Nudeln, Keksen und Co. – der Verzehr von Insekten ist so unethisch wie unnötig. Schließlich steht uns die gesamte Palette an pflanzlichen Lebensmitteln zur Verfügung. Statt den Umweg über das Tier – oder gleich mehrere Tierarten – zu gehen, können wir pflanzliche Proteine direkt verzehren. Umfassende Informationen zu dem Thema Insekten findest Du im Artikel „Proteinquellen der Zukunft – Revolutionieren Insekten unseren Speiseplan?“, in DU UND DAS TIER, dem Magazin des Deutschen Tierschutzbundes.