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Illustration von Legehennen in Bodenhaltung.

Das Leben einer Legehenne

Jedes Ei steht für eine Legehenne, die für das Produkt gelitten hat und schließlich frühzeitig getötet wird. Für ihre natürlichen Bedürfnisse ist in der Eiproduktion kein Platz. Sie muss funktionieren – um jeden Preis. Wir schildern das Leben einer Legehenne von Geburt bis zur Schlachtung.

Von Beginn an allein

In der Natur baut eine Henne ein Nest für sich und ihren Nachwuchs. Sie brütet die Eier aus und nimmt bereits durch die Schale Kontakt zu den ungeschlüpften Küken auf. Auch nachdem die Kleinen auf der Welt sind, bleibt diese Bindung stark: Die Mutter betreut ihren Nachwuchs aufopferungsvoll und bringt ihm alles bei, was er für das Leben benötigt. In der Tierhaltung erblickt das Küken das Licht der Welt in der sterilen Umgebung einer Brüterei – ohne seine Mutter und ohne Hilfe beim anstrengenden Schlupf. Seine Eltern leben in einem sogenannten Vermehrungsbetrieb. Sie existieren für die Nachzucht und produzieren befruchtete Eier, aus denen Küken schlüpfen, die zu Legehennen heranwachsen. Ihr Nachwuchs befindet sich weit entfernt in Brutschränken, wo Temperatur und Luftfeuchtigkeit so optimiert sind, dass das Küken nach drei Wochen schlüpft. Neben ihm befinden sich viele weitere Artgenossen in diesem Schrank. Sie alle sind auf sich allein gestellt und nicht alle bewältigen den Schlupf. Während die Mutter ihrem Nachwuchs in der Natur Wärme spenden und ihm helfen würde, sortiert das Betriebspersonal in der Eierindustrie Küken, die es nicht allein aus der Schale schaffen, aus und tötet sie.

 

Keine Chance auf ein Leben

So ergeht es meist auch männlichen Küken, die von der Legehennenlinie abstammen. Sie legen keine Eier, setzen aber auch zu wenig Fleisch für eine billige Mast an. Aus wirtschaftlicher Sicht sind sie wertlos und werden daher wie Wegwerfware behandelt. Noch bis Ende 2021 war die Kükentötung erlaubt: Männliche Küken wurden entweder durch Schreddern oder durch Gas regelrecht entsorgt. Seit Anfang 2022 ist die Geschlechtsbestimmung im Ei Praxis. Eine ethisch akzeptable Alternative ist diese nicht. Schließlich lässt sich nicht ausschließen, dass die Embryonen bei der Tötung bereits Schmerzen wahrnehmen. Ein Abbruch findet ab dem siebten Bruttag statt – ab da an ist ein Schmerzempfinden möglich, ab dem 13. Bruttag ist es sogar wahrscheinlich.

Die Industrie arbeitet derzeit an einer Technologie, welche die Geschlechtsbestimmung im Ei bereits vor dem siebten Tag ermöglicht. Letztendlich wird bei jedem der genannten Verfahren ein potenzielles Leben vernichtet – ohne jeden vernünftigen Grund. Erschwerend kommt hinzu, dass bei der Geschlechtsbestimmung Fehler passieren können: Ein Teil der männlichen Küken bleibt unentdeckt – je nach Methode 0,5 bis vier Prozent. Diese sortiert das Betriebspersonal erst nach dem Schlupf aus und schickt sie unter Umständen ins Ausland, um sie möglichst billig zu mästen. Nach einem kräftezehrenden Transport geht es in eine kurze Mast, um sie anschließend zu schlachten – oft unter tierschutzwidrigen Bedingungen. Ein Leben, das keines ist.

 

Aufzucht ohne Fürsorge

Auch das weibliche Küken erwartet ein Transport. Wie Ware wirft das Personal das kleine Wesen zusammen mit seinen Artgenossen in Kisten, die schließlich im LKW übereinandergestapelt werden. Für das Tier geht es nun in die sogenannte Junghennenaufzucht. Der Weg dorthin kann nur wenige Minuten oder viele Stunden beanspruchen. Junge Küken sind auf eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit angewiesen, weshalb spezielle Transporter zum Einsatz kommen. In Kisten gequetscht und möglicherweise sehr lange unterwegs zu sein, ist für die zarten Tiere dennoch sehr anstrengend.

Angekommen im Aufzuchtbetrieb macht sich das fehlende Muttertier bei den Kleinen bemerkbar: Da sie kein Vorbild hatten und von der Henne nicht lernen konnten, wie sie Wasser und Nahrung finden können, sind nicht alle dazu in der Lage, allein zurechtzukommen. Einige von ihnen verenden kläglich. Diesen Verlust nimmt das Personal in Kauf: Es investiert nur das Nötigste in die Tiere und rechnet mit dem vorzeitigen Tod. Mehr als eine Quote sind die Tiere in diesem Kontext nicht.

Das überlebende Küken wächst 18 bis 21 Wochen hier auf und ist anschließend fast ausgewachsen. Der Transport in den Legebetrieb steht bevor. Üblicherweise ist dieser weniger als acht Stunden entfernt. Das Tier muss ohne Futter und Wasser in einem engen Laster verharren. Dauert der Transport länger als acht Stunden müssen höhere Anforderungen erfüllt werden. Bei über zwölf Stunden muss das Personal das Tier in der Theorie füttern. Dies ist in einem LKW in der Praxis aber nicht möglich.

 

Kein Platz zum Leben

In der Natur würde das Tier in Gruppen leben, lautstark mit seinen Artgenossen kommunizieren, im Freien Sandbäder genießen und den Boden nach Essbarem absuchen. In der Gruppe herrscht eine natürliche Hierarchie, die der Henne in dem sozialen Gefüge Orientierung gibt. In der Tierhaltung kann sie diese natürlichen Bedürfnisse nicht ausleben. Der Großteil der in Deutschland gehaltenen Legehennen lebt in Bodenhaltung. Gehört die Henne zu diesen 59,7 Prozent, verbringt sie ihr trauriges Leben mit mehreren Tausend Hühnern in einer riesigen Halle. Sie muss sich mit neun weiteren Artgenossen auf einen Quadratmeter quetschen und ist extrem eingeschränkt.

Die meisten Ställe mit Bodenhaltung sind mit Volieren ausgestattet. Hier kann sich die Henne zwar auf mehreren Ebenen bewegen, genug Platz hat sie trotzdem bei Weitem nicht und Auslauf fehlt völlig. Die Tierhalter*innen zwingen sie, ihr Leben auf engstem Raum dicht gedrängt mit ihren Artgenossen zu verbringen. Dieser akute Platzmangel macht dem Tier zu schaffen. Sie kann den anderen Hennen nie aus dem Weg gehen und es fällt ihr schwer, die Flügel auszustrecken. Zudem steht sie mitten in ihrem eigenen Kot, von dem schädliche Ammoniakdämpfe aufsteigen. Die schlechte Luft setzt dem Tier zusätzlich zu.

 

Eingesperrt für den Profit

Die konventionelle Käfighaltung, die vor allem unter dem Begriff Legebatterie bekannt ist, ist seit 2010 in Deutschland verboten. Allerdings leben noch 5,6 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Legehennen in sogenannten Kleingruppenkäfigen. Im Ausland ist diese Haltung gang und gäbe. Eine erwähnenswerte Verbesserung gegenüber den verbotenen Käfigen stellen sie nicht dar: Eine Legehenne fristet hier, regelrecht eingesperrt, eine klägliche Existenz. Gemeinsam mit 65 Artgenossen muss sie unerträgliche Enge ertragen – sie hat kaum mehr als eine DIN-A4-Seite Platz. Der fehlende Raum ist der Grund dafür, dass das Tier die angebotenen Sitzstangen und Bereiche zur Eiablage sowie zum Scharren nicht nutzen kann. Sie ist eingepfercht, kann sich nie zurückziehen und weder auf Futtersuche gehen noch ihre natürlichen Instinkte ausleben.

Auf harten Gitterstäben vegetiert sie vor sich hin und leidet enorm unter Druckstellen und Geschwüren an ihren Sohlen. Statt im Freien in Staub zu baden, nach Essbarem zu picken und sich frei zu bewegen, geht das Tier im Käfig völlig ein. Schwere Verhaltensstörungen sind mögliche Konsequenzen der intensiven Tierhaltung. Das eigentlich friedliebende Tier pickt anderen Hennen vor lauter Langeweile und Verzweiflung die Federn aus. Zudem erleidet die Henne unter Umständen gesundheitliche Schäden wie Geschwüre an ihren Fußballen und Fettleber.

 

Legemaschine statt Lebewesen

In einer dieser tierfeindlichen Umgebungen muss die Henne ihre Rolle als Legemaschine einnehmen. Ihre Aufgabe ist, fast täglich ein Ei zu legen. Denn zu diesem Zweck wurde sie auf Höchstleistung gezüchtet. Während die Bankiva-Henne, das Urhuhn, von dem die heutigen Haushühner abstammen, im Jahr gerade einmal zwölf bis 40 Eier legt, kommt eine landwirtschaftlich gehaltene Legehenne auf bis zu 320 Eier jährlich. Hinter dieser enormen Summe steckt unvorstellbares Tierleid: Da eine Henne nicht zu jeder Jahreszeit Eier legt, gaukeln Tierhalter*innen ihr mithilfe künstlicher Beleuchtung Sommerzeit vor. Der natürliche Rhythmus des Tieres ist völlig durcheinander, der Körper wird bis weit über seine Grenzen hinaus ausgebeutet. Das ausgelaugte Tier erkrankt schwer: Ihre Knochen sind schwach, denn das Kalzium in ihrem Körper verwendet sie, um die Eierschale auszubilden. Ein gebrochenes Brustbein oder ein entzündeter Eileiter sind nur wenige Beispiele der körperlichen Gebrechen, die das zarte Tier in diesem widernatürlichen System ertragen muss.

 

Ausgedient und entsorgt

Nach nur anderthalb Jahren kann die Henne nicht mehr. Sie legt nicht mehr genug Eier und stellt für den Betrieb ein Minusgeschäft dar. Im Schlachthof erwartet sie das Ende ihres traurigen Lebens. Vor dem Transport packen Fänger*innen sie und ihre Artgenossen an ihren Beinen und halten bis zu drei Tieren in einer Hand. Sie tragen die Hennen kopfüber zu Kisten, in die sie die Tiere grob hineinstopfen. Für die Henne ist dieser Moment äußerst beängstigend und sie schlägt mit ihren Flügeln, um sich zu befreien. Da ihre Knochen bereits so porös sind, können sie durch diese tierschutzwidrige Praxis leicht brechen. Der darauffolgende Transport, der viele Stunden dauern kann, ist für das geschwächte Tier so noch qualvoller. Denn hinzukommt, dass die Henne schon Stunden zuvor kein Futter mehr bekommt – und sobald es losgeht, kann sie auch nichts mehr trinken. Hunger, Durst, Kälte, Hitze und wenig Platz zwischen vielen weiteren Hennen quälen das Tier.

Im Schlachtbetrieb hängt das Betriebspersonal die Henne kopfüber an einem Förderband auf. Wenn sie sich wehrt und versucht, sich zu befreien, erfährt sie in ihrem schlechten Gesundheitszustand womöglich weitere Verletzungen und Knochenbrüche. Das Band führt das Tier zusammen mit all den anderen Tieren in ein elektrisches Wasserbad. Der Kopf taucht in das unter Spannung stehende Wasser ein und das Tier wird bewusstlos – wenn alles nach Plan läuft. Die Fehlerquote liegt bei etwa vier Prozent. Ist die Methode nicht erfolgreich, muss die Henne einen zweiten Betäubungsversuch erdulden. Dennoch ist davon auszugehen, dass ein Teil der Hennen die darauffolgende Schlachtung bei vollem Bewusstsein miterlebt. Das Tier fährt am Band zu einer Metallklinge, die ihr die Kehle durchschneidet. Das Tier entblutet.

Eigentlich könnte die Henne zehn Jahre alt werden.

 

 

All das muss die Henne durchstehen, damit der Mensch Eiprodukte verzehren kann. Doch es geht anders – vegan und tierfreundlich. Auf unserer Website findest Du Artikel und Tipps rund um die pflanzliche Lebensweise sowie zahlreiche Rezepte. Auch gedrucktes Infomaterial kannst Du ganz einfach über unser Bestellformular anfordern und wir schicken es Dir zu.

Von Melanie Frommelius, Redakteurin beim Deutschen Tierschutzbund